• David

25 Jahre Internet: "Digitales Meiden" in der Sozialen Arbeit?


25 Jahre ist es bereits her, dass die erste Website im CERN online gestellt wurde (so sah sie aus). Am 30.April 1993 wurde die World Wide Web Software für die Öffentlichkeit freigegeben. Sicherlich, damals war das Internet noch bei weitem nicht für alle zugänglich und auch bei weitem noch nicht so vielfältig. Nur die wenigsten hatten einen Computer und noch weniger ein Modem mit dem sie sich ins Internet begeben konnten. Heute ist das anders: Wie die aktuelle JAMES-Studie aufzeigt, gibt es mittlerweile in 99% aller Haushalte, in denen die befragten Jugendlichen wohnen, einen Computer mit Internetzugang. In allen Haushalten gibt es mindestens ein Handy.

Spätestens mit dem Smart-Phone wurden die letzten Hürden, um ins Internet zu gelangen, abgebaut. Webbrowser, Modem und Flatrate kommen nun in einem - das Internet ist immer und überall und beinahe für alle zugänglich. Beinahe. Denn wer denkt bei der rasant fortschreitenden technischen Entwicklung und den eindrücklichen Zahlen schon an die diejenigen, denen sich ganz andere Hürden als diejenigen technischer Art stellen. Wer denkt an Menschen mit Beeinträchtigungen: wer denkt an die Menschen mit physischen und psychischen Problemen, für die das Internet im schlimmsten Fall nur etwas ist, über das andere reden, zu dem sie aber selber nur erschwerten oder im Extremfall gar keinen Zugang haben?

Manchmal erstaunt es mich, wenn mir in Gesprächen mit Berufskolleginnen und Kollegen in der Sozialen Arbeit eine absolut abwehrende Haltung gegenüber dem Internet und den Digitalen Medien begegnet. "Digitale Medien Meiden" scheint mir da das Motto zu sein. Als Grund werden persönliche Ängste und unreflektierte Wertvorstellungen vorgeschoben: Die Verteufelung vom Konsum, der Verführung, die Gefahr der Sucht, Verschuldung und nicht zuletzt die Verrohung der Jugend. Potenziert wird das Ganze mit dem angeblich verlorengegangenen Bezug zur Natur, der uns Menschen doch ausmacht.

Ich frage mich, wem wir mit derartigen Haltungen einen Gefallen tun, wen wir vor was schützen wollen? Sind es womöglich die eigenen technischen Unzulänglichkeiten, Ängste und Defizite, die wir zu verbergen versuchen? Als Professionelle sollten wir uns fragen, ob wir mit solchen Haltungen nicht irgendwo vor 25 Jahren stehen geblieben sind? Verweigern wir unseren Klienten nicht den Zugang zur Welt ausserhalb der Institution. Einer Welt, die sich nun mal verändert, sich weiterentwickelt und neben den vielen neuen Gefahren auch ganz viel neue Chancen bietet? Sollten wir nicht besser den Umgang mit den neuen Medien ermöglichen, als einfach "Digitale Medien pauschal zu Meiden"? Ich denke schon. Gute Beispiele gibt es genug.

Was ist deine Meinung dazu? Sollen wir den Umgang mit den digitalen Medien fördern? Sollen wir ihn verbieten? Gibt es einen Weg zwischendrin? Gibt es Erfahrungen, die du mit anderen teilen möchtest?

http://info.cern.ch/

https://www.zhaw.ch/storage/psychologie/upload/forschung/medienpsychologie/james/2014/Ergebnisbericht_JAMES_2014.pdf

http://www.jugendundmedien.ch/chancen-und-gefahren.html

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