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Digital Education - Indien hat die Nase vorn...

February 20, 2019

 

Im letzten Oktober besuchte ich verschiedene Projekte in Indien, darunter die Tamarind Tree School in Dahanu, Maharashtra. Diese Schule gründet auf Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit und möchte den Kindern der Dorfgemeinschaften (tribal communities) den Zugang zu Demokratisierung und Technologie ermöglichen. Die Gründer und Lehrpersonen (hier in der Rolle von facilitators) sind überzeugt, dass der Umgang mit den neusten digitalen Technologien insbesondere für benachteiligten Gruppen die beste Voraussetzung ist, um an der Gesellschaft teilzuhaben und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.  Nachhaltigkeit und Technologie, die Tamarind Tree School setzt ihre Philosophie konsequent in der Lernumgebung um. Die Schule liegt inmitten eines riesigen Gartens mit vielen Tamarind Bäumen. In drei Pavilions lernen rund 120 Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse; jedes Jahr wird die Schule um eine Klasse erweitert bis es eine 10. Klasse gibt.  Alle Kinder haben einen Laptop und Zugang zu einer Lernplattform. Die facililtators leiten die Kinder vor allem an, wie sie selbständig lernen können. 

 

In der Schweiz schleicht sich die Digitalisierung in unterschiedlicher Form in den Schulunterricht ein. Einige Schulen testen den Umgang mit Tablets ab der ersten Klasse, andere sind noch konventioneller unterwegs. Der Lehrplan 21 bezweckt die Umstellung von der Vermittlung von Inhalten hin zur Vermittlung von Kompetenzen. Neu wird das Fach Medien und Informatik im Lehrplan gefordert. In der Realität ist der Umfang des digitalen Lernens oft noch abhängig von der Lehrperson und wird oft nur 1-2 Wochenstunden unterrichtet. Trotzdem: Der Lehrplan 21 hat zum Ziel, die Kinder auf die Herausforderung der digitalen Gesellschaft vorzubereiten. Für das Gymnasium hat die EDK (Schweizerische Erziehungsdirektoren-Konferenz) bereits ein Informatik-Obligatorium ab 2022 beschlossen. Überwacht werden solche Umsetzungen im Bildungsbereich durch das Monitoring, welches alle vier Jahre zu einem Bildungsbericht führt (vgl. Bildungsbericht Schweiz 2018). 

 

Eine grosse Herausforderung bei der Implementierung digitalen Lernens sind die fehlenden Lehrpersonen.  Nur wenige sind mit den neuen Medien genügend vertraut. Zudem erfordern neue Lernformen ein grundsätzliches Umdenken der Lehrpersonen und ein neues Rollenverständnis. Lehrpersonen werden zunehmend zu Designern der Lernumgebung. Etwas was die Tamarind Tree School konsequent umsetzt und was sich nicht zuletzt bei der Ausbildung (Programmierkenntnisse sind erwünscht) und der Bezeichnung der Lehrpersonen als facilitators, also jemand, der/die die nötige Lernumgebung bereitstellt, abzeichnet. 

 

Juraj Hromkovic, ETH-Professor für Informationstechnologie und Ausbildung beschäftigt sich seit Jahren mit der Vermittlung von Informatik und Medienkompetenz in Primarschulen und Gymnasien. Für ihn ist es ein erklärtes Ziel der Schulbildung, das logisch-analytische Denken zu schulen. Informatik in einem umfassenden Sinne fördert das kritische, konstruktive und kreative Denken. Doch was heisst "digitale Bildung"? Hromkovic kritisiert, dass diese oft an wirtschaftlichen Bedürfnissen ausgerichtet ist und betont die Wichtigkeit des Prozesses: "Weg von fertigen Produkten der Wissenschaft, hin zu Prozessen." Also Lernen durch Gestalten. 

 

Damit kommen wir wieder auf die Tamarind Tree School zurück: "At Tamarind Tree, we believe that education is no longer about content delivery or information (which due to digitization is now available) but about being able to discern and get the correct information and pursue knowledge and skills as individuals. We have tried to break the classroom herd mentality of most formal educational set ups and have done away with rote learning. We see every child or facilitator or any adult on campus as a learner and encourage that everyone learns at his or her own pace." Die Schule arbeitet ausschliesslich mit OER (Open Educational Ressources) und nutzt open source software, die von ihnen für die Zwecke des Unterrichtes weiter entwickelt wird. 

 

Die alternative Schule in Dahanu ist ein Experiment. Sie setzt vollumfassend auf digitale Technologien, wofür es entsprechende Kompetenzen zu entwickeln gilt und fördert gleichzeitig ein selbstverantwortliches Lernen in einem naturbelassenen Lernumfeld. In wieweit hier eine Antwort auf ein zukunftsgerichtetes Lernen für benachteiligte Gruppen gelingt, wird die Zukunft zeigen.

Was auch für die Strategie der Schweizerischen Erziehungsdirektion und die Umsetzung des Lehrplans 21 gilt. 

 

Quellen:

https://main.tamarindtree.org/

Juraj Hromkovic: Einfach Informatik

Nat. Bildungsbericht 2018

Interview mit Jurai Hromkovic (link)

 

Empfehlenswert: Podcast Kontext vom  24.10.2018:  "Digitalisierung in der Schule: Ende der Kreidezeit?" 

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Wir freuen uns auf dieses Experiment!

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