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Das Kind, ein Egoprojekt?

November 26, 2017

Eine Antwort auf den Artikel "Kinder sind ein Ego-Projekt" von Claudia Baer in der NZZ vom 16.11.2017 (zum Artikel)

 

Liebe Frau Baer

Mein Ego-Projekt ist nun 8 Monate alt. Noch nie wäre es mir in den Sinn gekommen, diesen kleinen Menschen einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu unterziehen, so wie Sie es in Ihrem Artikel in der NZZ tun. Bisher war es mir fern zu überlegen, welche Kosten ich der Gesellschaft mit diesem meinem - mit ihren Worten: „persönlichen Lebenswunsch“ aufbrumme. (nebenbei gesagt erhalte ich durch die unzähligen "Die-Gesundheit-und-Sicherheit-ihres-Kindes-ist-ihnen-liebe-Eltern-sicher-eine-Investition-wert-Produkte" viel mehr den Eindruck zu einer wirtschafltlich sehr interessanten Zielgruppe zu gehören, die es so früh als möglich an bestimmte Kindermarken zu binden gilt).

 

Nach der Lektüre Ihres Artikels weiss ich nun, dass liberales Gedankengut es offenbar auch möglich macht, den Wert eines Menschen für die Gesellschaft mit wirtschaftlichen Faktoren zu messen. Bei manch einem und manch einer mag dies weitere höchst bedenkliche Fragen aufwerfen: Was kostet ein Mensch? Wie viel darf ein Mensch die Gesellschaft kosten? Ist es das Ziel eines Menschenlebens, der Welt einen monetären Nutzen zu bringen? Darf man den Menschen zutrauen, ein Kind zu zeugen, ohne dass sie die finanziellen und ökologischen Folgen vorauskalkulieren? Müssen wir in Zukunft eine Kosten-Nutzen-Rechnung vorlegen, bevor wir Kinder bekommen dürfen? Und eine Ökobilanz nach unserem Ableben?

 

Sie wollten in der Debatte um den Vaterschaftsurlaub „ein paar Schritte zurücktreten und einige grundsätzliche Überlegungen zum Thema Kinderkriegen, finanzielle Folgen und Verantwortlichkeiten“ anstellen. Die Betrachtung eines Sachverhaltes aus der Distanz vermag durchaus den Blick auf bisher Unbeachtetes eröffnen und kann hilfreich sein, seinen eigenen Standpunkt zu reflektieren und sich vielleicht neu zu positionieren. Meiner Meinung nach sind Sie aber den einen oder Schritt zu weit (weg) gegangen. Sie täten nun gut daran, ihre dargelegten Gedanken einer ethischen Reflexion zu unterziehen und danach hoffentlich wieder einen Schritt hin zu einem etwas menschlicheren Standpunkt zu tun. Ein Menschenleben mit rein wirtschaftlichen Faktoren zu beurteilen ist meiner Meinung nach jedenfalls ein absolutes No-Go! 

 

Und abschliessend: Der Bezug, den der Artikel zur Debatte um den Vaterschaftsurlaub haben soll, bleibt für mich auch nach mehrmaligem Lesen völlig unklar.

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