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Online-Terror

October 30, 2017

Schon frühmorgens geht es los: in Grossbuchstaben wird mir die neuste Aktualität aus der Welt auf meinem Smartphone aufs Auge gedrückt. Kaum habe ich mich mit dem Umstand arrangiert, wie früh mich mein Wecker an diesem Morgen wieder mal aus meinem Schlaf gerissen hat, werde ich schon mit einem schrecklichen Ereignis konfrontiert, das sich - glücklicherweise - meist fernab von meiner eigentlichen Lebenswelt ereignet haben soll. Und sogleich wird in diesem oftmals fast zeitgleich veröffentlichten Geschehnis die Frage gestellt: War es ein Terrorakt? Ich bin noch kaum wach, hab noch keine Dusche gesehen und soll mich also schon mit einer Frage auseinandersetzen, dessen Bedeutsamkeit sich mir in den ersten Minuten des neuen Tages meist noch gar nicht erschliesst?

 

Früher blieb mir zwischen Schlafzimmer und Frühstückstisch noch die Zeit, das Wetter mit einem Blick aus dem Fenster wahrzunehmen und mich dann mehr oder weniger bewusst, auf das Morgenmagazin im Radio einzulassen. Die Nachrichten beruhten meist noch auf journalistischen Recherchen und nicht - wie  heutzutage offenbar üblich - möglichst zeitnahen Spekulationen und Mutmassungen.

 

Ein Funkloch, so wie es Daniela in ihrem Post vom 6. September beschrieben hat, kann in dieser newsgierigen Zeit ein wahrer Segen sein. Denn es kann dazu führen, Neuigkeiten erst dann zu erfahren, wenn sie auf deren Wahrheitsgehalt geprüft, mit entsprechenden Hintergrundinformationen angereichert und so einer wirklich aussagekräftigen und somit auch sinnvollen Verbreitung von Informationen würdig sind. So, dass ich damit auch etwas anfangen kann und den Frühstückstisch nicht nur mit diffusen Emotionen aufgeladen verlassen muss.

 

Ich habe es mir in den vergangenen Wochen angewöhnt, mir bewusst ein Funkloch fürs Aufwachen und Ankommen im Tag zu schaffen. Eine Zeit ohne die grellen Schlagzeilen und den darauf folgenden inhaltlosen Artikeln, die mich für den Rest des Tages unbewusst beschäftigen und mit diffusen Ängsten und Sorgen beladen. So bleibt mir für den Rest des Tages die Zeit und vor allem auch die Energie, die wirklich informativen und gehaltvollen Artikel auszuwählen, die ich auch wirklich lesen will. Artikel zu Themen, die mich interessieren und über die ich wirklich etwas wissen will. Artikel, die Zusammenhänge aufzeigen und es mir ermöglichen, das Weltgeschehen besser zu verstehen. Es sind Artikel von Onlinemagazinen wie Krautreporter, für die man Zeit und oftmals halt auch Geld investieren muss. Für mich ist klar, diese Investitionen lohnen sich!

 

Wie sieht's bei dir aus? Bei welchen Medien informierst du dich? Was hältst du von der Boulevardpresse, Gratismagazinen wie "20-Minuten" oder "Blick am Abend"? Welche Strategien helfen dir, dich der (Pseudo-)Informationsflut zu entziehen und mehr zu erfahren als das, was in einem Titel in Grossbuchstaben steht? Diskutier mit!

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David & Daniela

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