• Daniela

Transnationale Sozialarbeitsforschung und ihre Tücken



Armut in Ghana, in Mauritius und in der Schweiz? Internetzugang und Mobiltelefone in der Armutsbekämpfung? Wie soll das vergleichbar sein? Eine Forschungsgruppe, zusammengesetzt aus Forscherinnen und FachexpertInnen aus den drei Ländern hat das versucht. Und ist dabei auf zahlreiche Stolpersteine, aber auch Lichtblicke gestossen, was die internationale Forschungszusammenarbeit betrifft. Internet und insbesondere Mobiltelefone werden immer präsenter, so dass sich im internationalen Kontext die Frage stellt, wie technische Geräte und digitale Medien in der Armutsbekämpfung eingesetzt werden können. Unsere Forschungsgruppe hat diese Frage aufgenommen. Doch in den nachfolgenden Ausführungen, die sich auf den von Barbara Waldis und mir geschriebenen Artikel stützen, der im Journal Transnational Social Review: A Social Work Journal erschien, geht es nicht um das Forschungsthema an sich, sondern um die Besonderheiten einer transnationalen Forschungszusammenarbeit, die besondere Herausforderungen mit sich bringt.


Erste Stolpersteine

Das errechnete Durchschnittseinkommen, ebenso wie die Kaufkraft und die Lebenskosten in Ghana, Mauritius und der Schweiz sind kaum vergleichbar. In unserer Forschung sind wir von staatlichen Armutsbekämpfungsprogrammen ausgegangen, wobei zum Beispiel Ghana das Cash Transfer-Programm kennt, eine finanzielle Direkthilfe, die bestimmte benachteiligte Gruppen erhalten, was am Ehesten mit der Sozialhilfe in der Schweiz vergleichbar ist. Doch auch hier sind die Bedingungen so unterschiedlich, dass ein Vergleich nicht möglich ist. Bleibt noch die gefühlte Armut, womit wir zwar nahe bei den Betroffenen wären, jedoch die grossen Unterschiede des staatlichen Umfeldes einbeziehen müssten, was natürlich wieder zu Schwierigkeiten beim Vergleich führt. Schliesslich haben wir entschieden, die Schweiz als Untersuchungsort wegzulassen und die Beteiligten an staatlichen Armutsreduktionsprogrammen in Ghana und Mauritius zu ihrem Gebrauch von Mobiltelefonen zu befragen.


Neue Herausforderungen

Wird inter- oder transnational geforscht, geht es meist um Case Management oder um klientenbezogene Fälle, die eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit erfordern. Dabei wird auf Netzwerke zurückgegriffen, werden internationale Organisationen von der EU über die UNO bis hin zu internationalen NGOs (Nichtregierungsorganisationen) und der Zivilgesellschaft in die Forschung einbezogen und Experten bemüht. Die Diversität der verschiedenen Organisationen, ebenso wie die unterschiedlichen Hintergründe von Professionellen stehen kaum zur Diskussion. In unserem Artikel haben wir versucht, genau hier den Fokus zu setzen.


Lichtblicke mit Aussichten für eine erfolgreiche, längerfristige transnationale Zusammenarbeit

Wie gestaltet man eine Zusammenarbeit in drei Ländern, die unterschiedlichste infrastrukturelle und organisationelle Voraussetzungen bieten? Wie lange ist es möglich mittels digitaler Kommunikation ein Forschungsprojekt voranzutreiben und weiterzuentwickeln? Die Bedeutung von Workshops an den verschiedenen Orten wurde rasch sichtbar. Diese gemeinsamen Arbeitstreffen bildeten rasch eine Grundlage um eine erfolgreiche, inhaltliche Zusammenarbeit zu prägen und für das Forschungsvorgehen gemeinsame Konzepte und Fragen zu entwickeln. Neben der Präsenz spielte der Faktor «Zeit» eine wesentliche Rolle. Auf institutioneller Ebene sind genügend Zeit für Austausch und Diskussionen unabdingbar, auch was das Kennenlernen der Forschungsbedingungen in den einzelnen Teams betrifft.

In dieser Auseinandersetzung half uns die reflektive Anwendung des Begriffes Positionalität, womit gemeint ist, dass Stereotypen erkannt und angesprochen werden müssen, Ressourcen der Forschenden berücksichtigt und lokales Wissen ebenso wie praktische Erfahrungen der Teammitglieder miteinbezogen sein müssen. So zeigte sich zum Beispiel, dass die englische Sprache einerseits für die ghanaischen und mauritischen Teammitglieder als Arbeitssprache geläufiger war als für die schweizerischen Teammitglieder, die Fokusgruppengespräche aber in den lokalen Sprachen geführt wurden und eine Übersetzung benötige, die kulturelles Wissen erforderte. Gleichzeitig mussten Fragen zu Verantwortlichkeiten und Möglichkeiten der verschiedenen Länderteams ständig wieder überprüft und diskutiert werden. So bedeutet Positionalität also auch, die soziale, berufliche und wirtschaftliche Stellung einer Person international vergleichend realistisch einzuschätzen und wenn nötig, unreflektierte Stereotypen oder Machtansprüche zu entlarven.


Auf diese Weise konnten wir parallell zu unseren inhaltlichen Erkenntnissen, wertvolle Einsichten gewinnen über eine konstruktive und gewinnbringende Zusammenarbeit. Wer an weiteren Ausführungen (auf Englisch) interessiert ist, kann den gesamten Artikel in der Online-Publikation «Transnational Social Review: A Social Work Journal» nachlesen: The dynamics of transnational research collaboration illustrated by a project on social media in poverty reduction.

Barbara Waldis, Daniela Duff (2017): The dynamics of transnational research collaboration illustrated by a project on social media in poverty reduction, in: Transnational Social Review: A Social Work Journal.

Link zum Artikel: http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/21931674.2017.1314613

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