• David

Gespräch mit Eliza - Teil 2


Rückblick...

Mal ehrlich: Wer von euch hat während dem Lesen des Gesprächs mit Eliza (Link auf Teil 1) bemerkt, dass ich mich nicht mit einem Menschen sondern mit einem Computerprogramm unterhalte?

Diejenigen, die es nicht erkannt haben, können sich trösten. Eliza war nämlich das erste Programm mit künstlicher Intelligenz, dem es in einem eigens dafür entwickelten Test zumindest kurzzeitig gelungen ist, sich als Mensch zu tarnen. Der dabei angewandte Turing-Test wurde entwickelt um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Der Test verläuft so, dass ein Computerprogramm (A) und ein Mensch (B) in einem "Gespräch" versuchen, eine Testperson (C) davon zu überzeugen, dass sie selbst Menschen sind (vgl. Grafik). Kann die Testperson nach intensiver Befragung seines Gesprächspartners nicht klar sagen, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Test bestanden.

erstaunlich...

Am meisten erstaunt hat mich bei meinem Testgespräch und der anschliessenden Recherche nicht nur der Umstand, dass es Computerprogrammen offenbar gelingen kann, von einem Menschen nicht als solches wahrgenommen zu werden, sondern auch die Tatsache, dass es solche Tests überhaupt gibt. Und das schon seit den 50-er Jahren. Es lässt von meiner Warte aus nur vermuten, wie weit die Entwicklung von künstlicher Intelligenz - fast 70 Jahre später - schon fortgeschritten sein muss. Computerprogramme mit künstlicher Intelligenz sind nämlich fähig, selbständig zu lernen. Im Falle von Chatbots wie Eliza heisst das, dass Sie bei jedem Gespräch, das wir mit Ihnen führen, mit Daten gefüttert werden, neue Zusammenhänge herstellen und damit - vereinfacht gesagt, intelligenter werden. (Englischsprachige Programme sind übrigens gegenüber deutschsprachigen Programme zurzeit noch deutlich im Vorsprung).

Ausblick...

"Alles Science-Fiction: Sprachcomputer, Chatbots und digitale "intelligente" Assistenten werden niemals in unserem Alltag eingesetzt werden...", mag man denken. Doch weit gefehlt. Die Apple-Jünger unter uns mögen doch mal an "Siri" denken. Ich staune immer wieder, was man mit diesem Assistenten alles anstellen kann, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Oder man denkt an den Astrophysiker Stephen Hawkins: Was wäre wohl aus ihm geworden, wenn es keine Sprachcomputer gäbe?

Der ganze technologische Fortschritt birgt natürlich riesige Chancen. Trotzdem müssen wir - und damit meine ich vor allem die Professionellen der Sozialen Arbeit - auch die Gefahren im Auge behalten. Wenn sich Computerprogramme tatsächlich als Mensch ausgeben können, dann mag der Gedanke von einigen - vor allem ökonomisch denkenden - Menschen schnell dahingehen, dass doch auch Vorgespräche, einfache Beratungsgespräche oder gar konkrete Hilfestellungen von Computern erledigt werden können? Die Soziale Arbeit würde dann erst später eingreifen müssen? Ganz im Sinne der Wirtschaftlichkeit wäre man viel effizienter, würde Zeit und vor allem viel Geld einsparen...

Also ich möchte da gerne ein Wort mitreden - und zwar möglichst frühzeitig! Darum halte ich die Augen mit Blick auf den technlogischen Fortschritt offen, probiere Dinge aus, mache meine Gedanken und Erfahrungen öffentlich und damit auch diskutierbar. Vielleicht könnt ihr ja davon profitieren? Vielleicht können wir so gemeinsam eine professionelle Haltung gegenüber intelligenten Assistenten, digitalen Hilfsmitteln und Robotern in der Sozialen Arbeit entwickeln?

Links:

- Eliza auf deutsch: http://www.med-ai.com/models/eliza.html.de

- Fachzeitschrift "Sozial Aktuell" zum Thema "Digitale Medien": http://www.avenirsocial.ch/de/p42015733.html

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